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  • AutorenbildSebastian Meyer

Einer der schönsten Straßen der Welt in Richtung Griechenland Reisebericht #2

Aktualisiert: 26. Dez. 2022

Vorbei an den steilen Küstenhängen in Kroatien geht es über die Küstenstraße bis nach Albanien, bevor ich Griechenland mit 2 weiteren Bikern erreiche.

Küste Kroatien Motorrad Meer Strand
In Kroatien ging es für mich immer an der Küste entlang

Kroatiens Küstenstraße von Krk nach Albanien gilt als eine der schönsten Straßen für Motorradfahrer der Welt. So war es natürlich nur logisch, dass ich diese Route auf meinem Weg nach Griechenland wählte und was soll ich sagen, enttäuscht hat sie mich nicht. Endlos schlängeln sich die weiten Kurven die steilen, klippenbedeckten Küstenhänge entlang, bieten regelmäßig fantastische Ausblicke auf die weite der Adria und das alles bei wirklich angenehmen Temperaturen. Restaurants am Straßenrand bieten kulinarische Freuden für jeden Gaumen und Campingplätze gibt es im wahrsten Sinne des Wortes hier wie „Sand am Meer“. Mit Albanien in Reichweite und einer gewissen Portion Naivität setzte ich mir am letzten Tag in Kroatien das Ziel die Grenze zu erreichen und mir in Shkodra einen Platz für die Nacht zu suchen. Leider hab ich erst später festgestellt, dass Shkodra eine der gefährlichsten Städte Albaniens ist... aber der Reihe nach. Müde vom Tag, es war bereits nach 19 Uhr, blickte ich aus meinem angeschlagenen Visier auf den Bildschirm und sah, dass es bis zu meinem Tagesziel nur noch 31 Kilometer waren. Immer enger und abgelegener wurden die Straßen durch die mich mein Navi führte und als sich Autos langsam gegen Eselskarren und Ziegenhirten tauschten hatte ich irgendwie nicht das Gefühl, auf eine Grenze zuzusteuern. Die Laternen wurden immer weniger, der Abend immer dunkler und ich irrte irgendwo in den Bergen zwischen Montenegro und Albanien umher. Ich weiß nicht genau was es war, aber als ich dann doch mitten in der Nacht die Grenze fand, spürte ich zum ersten mal eine gewisse Unsicherheit. Die Art und Weise, wie das Leben hier stattfindet, ist überhaupt nicht zu vergleichen mit dem was ich aus Europa kannte. Shkodra war eine laute, dreckige Stadt mit kaputten Straßen und dubiosen Seitengassen. Verkehrsregeln sind hier mehr eine optionale Sache, eine gutgemeinte Empfehlung und ich mittendrin. Camping kam überhaupt nicht in Frage, vor den Toren Shkodras hatte ich allerdings eine halbwegs ansehnliches Hotel gefunden und fuhr dorthin zurück. Es wirkte irgendwie fehlplatziert und passte überhaupt nicht ins Bild der Stadt.

„...aber als ich dann doch mitten in der Nacht die Grenze fand, spürte ich zum ersten mal eine gewisse Unsicherheit."

Es war merkwürdig und ich fühlte mich abgefertigt, als mir der Parkplatzwächter meinen Helm aus der Hand riss und fast schon zu freundlich wirkte. Er führte mich über einen Seiteneingang an einen kleine Fahrstuhl welcher uns in die 3 Etage brachte. Der Parkplatzwächter schnappte sich einen Schlüssel und führte mich über einen Gang mit vergoldeten Klinken an den Türen zu meinem Zimmer. Ich fand hier relativ wenig Schlaf, was vielleicht auch an den ganz klar sichtbaren Einbruchsspuren an der Tür lag. Das dunkle Holz des Türrahmens hatte exakt auf Höhe des Schlosses Spuren eines Brecheisens und die Tür lies sich etwa einen Zentimeter aufziehen, trotz abgeschlossenem Zustand... Ich beschloss den Kühlschrank im Zimmer abzustecken und ihn vor die Tür zu stellen, nur um auf Nummer sicher zu gehen. Am nächsten Tag traf ich Michael und Oli, zwei Biker aus Deutschland die mir geschrieben hatten das sie zufällig in die selbe Richtung fahren. Wir legten die knapp 300 Kilometer über albanische Straßen zurück und trafen gegen Nachmittag in Griechenland ein.

Essen Griechenland Motorrad
Auf griechischem Boden ging es direkt erstmal in das erste Restaurant zum Essen.

Ein Land, welches mich von Anfang an gefangen hatte. Am Abend erreichten wir einen kleinen Campingplatz in Katerini und schlugen das Lager auf. Allgemein hatte ich bis jetzt auf meiner Reise das Glück, jeden großen Feiertag mitzunehmen. Da ich mittlerweile von Deutschland nach Griechenland gefahren war und der Kilometerzähler knapp 10.000km anzeigte, beschloss ich meine aus totaler Dämlichkeit heraus mitgenommen Reifen tauschen zu lassen, ich wusste nur noch nicht, wo. Am Morgen trennten sich unsere Wege wieder und ich setzt meine Reise in Richtung Athen fort. Im europäischen Vergleich ist Athen ein Zwerg, die Stadt als solches zählt nur 650.000 Einwohner, da ich aber irgendwie 4 Tage rum bringen musste weil sämtliche Motorradläden geschlossen waren wegen des orthodox- griechischen Osterfestes, bot sich mir am Tag zu vor die Gelegenheit. Ein Hotel für 4 Nächte mit Frühstück für knapp 100€, und das im Zentrum. Schnäppchen. Als ich jedoch merkte in welche Gegend es mich hier verschlug, musste ich erst mal kurz durchatmen, weil ich zu diesem Zeitpunkt einfach noch nicht wusste „wie“ Athen funktioniert.

„Ich habe mich nicht eine Sekunde unsicher gefühlt. Das Leben hier funktioniert sehr frei, man meint, es gäbe hier diesen „sozialen Druck“ nicht."

Ich checkte im Hotel ein und konnte wirklich nicht meckern. Das Zimmer war zwar nicht groß, es bestand quasi nur aus Bett und WC/Dusche ohne einen Duschvorhang, so dass das Wasser beim Duschen direkt in das Zimmer lief, aber egal. Ich hatte hier Ruhe vor der Stadt und konnte erst mal entspannen. Ich entschied mich dafür die Stadt per Fuß zu erkunden und was soll ich sagen, Athen ist unfassbar charmant. Ich legte die etwa 30 Minuten zu Akropolis zurück und war fasziniert davon, wie hier das alltägliche Leben funktioniert. Ich hatte das Gefühl, Athen ist nicht wirklich in Stadtviertel unterteilt nach dem Motto „Arm und Reich“ sondern eher nach „Jeder kann machen was er will, und alle sind zufrieden“. Man findet hier 5 Sterne Hotels mitten neben dunklen Gassen mit schlechtem Graffiti, in welchen Drogenjunkies hocken und sich den nächsten Schuss verpassen, 24 Stunden Kioske mit schäbigem Neonlicht, Regierungsgebäude neben Bauruinen und das beste war, man hatte nie das Gefühl das sich irgendjemand am anderen stört. Ich habe mich nicht eine Sekunde unsicher gefühlt. Das Leben hier funktioniert sehr frei, man meint, es gäbe hier diesen „sozialen Druck“ nicht, den wir aus Deutschland kennen. Die Mentalität ist eine komplett andere, und ich kann nicht wirklich sagen was es ist, aber diese Stadt macht süchtig.

Athen Griechenland Akropolis Stadt
Blick über Griechenland. Eine absolut faszinierende Stadt, die ich definitiv wieder besuchen werde.

Die Akropolis war jeden Euro wert. Trotz das ich bestimmt 1 Stunde mit meinem eisbedeckten Erdbeer-Slushi in der prallen Sonne stand, um mir eine Karte zu kaufen, wurde ich mit einem atemberaubenden Erlebnis belohnt. Fein bearbeiteter Marmor reiht sich in ein in kunstvoll geschlagenen Stein. Alles passt perfekt aufeinander das kein Blatt Papier in den Spalt passen würde und die Statik ist perfekt berechnet, dass die monströsen Säulen die tonnenschweren Blöcke tragen, die wie eine Krone auf dem tausende von Jahre alten Bauwerk sitzen. Die Akropolis ist allerdings bei weitem nicht die einzige historische Sehenswürdigkeit in Athen, man findet quasi über die ganze Stadt verteilt immer mal wieder Überreste des antiken Griechenlands.


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