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  • AutorenbildSebastian Meyer

Ein Traum wird Wirklichkeit: Willkommen in Indien! Reisebericht #8

Wieso es einen ganz besonderen Reiz mit dem Motorrad auf dem Landweg nach Indien zu fahren und wieso ich wieder einmal meine Drohne ins Land schmuggeln musste...

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Indische Grenzsoldaten in traditioneller Kluft

Ich weiß nicht genau an was es lag, aber Indien hatte für mich schon immer eine riesen Faszination. Ich wollte immer in dieses Land reisen, es war für mich immer schon der Inbegriff von Weltreise. Indien, allein der Name steht für Abenteuer, Gegensätze und Spiritualität. Da ich über die Landgrenze nach Indien einreiste, reichte für mich ein E-VISA nicht aus. Flugreisen nach Indien oder auch per Schiff sind problemlos online zu beantragen, nicht aber das Papiervisum. In Islamabad machte ich mich also auf den Weg zur indischen Botschaft um dort mein VISA zu erhalten. Das erste mal in meinem Leben ein Papiervisum, im Reisepass, was für ein Gefühl.

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Der Blick ins Stadion.

Ein deutscher Reisepass ist weltweit unheimlich wertvoll, da man quasi damit schon zu 80% die Anforderungen erfüllt. Neben einem ausgefüllten VISA Antrag musste ich unter anderem meine Polio Impfung nachweisen, Kreditkarten Kopien abgeben, einen Nachweis erbringen das ich mit genug Geld einreise, ein persönliches Schreiben an die Indische „High Commision“ WIESO ich auf dem Landweg einreise, 2 Passbilder, eine Kopie meines Pakistan Visums, der Reisepass im Original sowie einen „Invitation Letter“ von jemandem in Indien. Diese Einladung ist nicht zwingend notwendig, erleichtert es aber enorm. Neben der Tatsache, dass ich mit dem Motorrad reise gab es noch einen anderen Grund, wieso ich unbedingt über die Landgrenze nach Indien wollte: Das Spektakel an der Wagah–Attari Grenze. Seit vielen Jahren herrscht zwischen Pakistan und dem „Bruderfeind“ Indien Spannung, was mehr oder weniger an der Grenze „touristisch wertvoll“ zur Schau gestellt wird.

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Etwa 1 Stunde vor Beginn - bereits tausende Menschen anwesend.

Die Grenze ähnelt auf indischer Seite einem Fußballstadion, in welches tausende Menschen passen. Jeden Tag wird dort die Grenze sowohl geöffnet als auch geschlossen und wird dabei mit einer großen Zeremonie begleitet. Ich überquerte die Grenze gegen Mittag und das erste was einen erwartet ist der übliche Papierkram, an welchen ich mich mittlerweile gewöhnt hatte. Die pakistanische Seite machte es mir hier allerdings sehr einfach. Unfassbar freundlich führten sie mich durch den kompletten Prozess. Nachdem man fertig ist führt einen die Straße, die einer mit dem Lineal gezogenen Linie gleicht, direkt in das Stadion, direkt in die Wagah Grenze. Ein großes eisernes Tor wacht hier über die indische Landesgrenze, was von Soldaten bewacht wird. Mit metallischen Kratzen öffnete sich die Pforte und ich durfte in den „Vorhof“, quasi das Gebiet zwischen Indien und Pakistan, einrollen.

Das erste was hier geprüft wird sind Visum und Carnet, hat man eines von beiden nicht, hat man also direkt ein Problem. Zurück nach Pakistan kann man nicht, da der Ausreisestempel bereits im Pass steht, das Visum womöglich abgelaufen, und weiter kann man auch nicht, wenn die Inder die Einreise verweigern. Daher war einer meiner Grundsätze immer: Informiere dich über alles was du brauchst, habe alles zur Hand, und lass nicht den Eindruck entstehen du wärst unvorbereitet. Als ich den Soldaten meine Dokumente in die Hand drückte durfte ich nach kurzer Zeit passieren und „ein Feld vorrücken“ zum nächsten Abschnitt. Durch die Wagah Grenze direkt zu fahren hat wirklich eine Faszination auf mich gehabt. Es ist keine typische Grenze, sondern eher das Tor in eine andere Welt. Bei 45°C im Schatten navigierte ich durch die doch recht umfangreiche Grenzanlage und wurde von den freundlichen BSF Soldaten (Border Special Forces, nicht zu verwechseln mit dem Militär!) immer wieder auf den richtigen Weg geführt, wenn ich doch mal den falschen Abzweig nahm.

Hier spürte ich leider zum ersten mal wie gefährlich Hitze sein kann. In Pakistan hatte ich zwar teilweise schlimmere Temperaturen, ich war aber meist vorbereitet oder habe mich unterwegs mit Wasser eingedeckt. Als ich am morgen Lahore verlies, war nicht abzusehen das es so kochend heiß wird, so erreichte die Grenze mit deutlich zu wenig Wasser. Ich fühlte mich nicht gut, bekam leichten Schwindel und spürte, dass mein Kreislauf durch die Hitze, Wassermangel und dem tragen von schweren Motorradklamotten deutlich am Maximum war.

Ich parkte das Motorrad bei einem der Checkpoints und fragte die Soldaten nach Wasser, was sie mir auch ohne zu fragen reichten. Es sind teilweise die kleinen Dinge im Leben, die einen glücklich machen. Das was man im Leben wirklich möchte, ist immer davon abhängig in welcher Situation man sich befindet. Ich betrat die kleine Hütte und sah in der Ecke ein Geschenk Gottes stehen: Einen Ventilator. Nachdem mein Körper wieder auf Normalzustand lief, ich gefühlt 5 Liter Wasser in mich hineingeschüttet hatte und mich nicht mehr fühlte als könnte ich jeden Moment umkippen fuhr ich zum finalen und letzten Part meiner Einreise nach Indien: den Customs.

Grundlegend ist jede Grenzüberquerung der selbe Ablauf: Einreise wird gestempelt, kleiner Zollcheck, fertig. Ich muss sagen die indische Grenze war sehr gut organisiert. Alles hatte seine Ordnung und der Prozess war gut geregelt, noch dazu sprach quasi jeder englisch weswegen eine Sprachbarriere nicht gegeben war. Allerdings hatte ich hier wieder das selbe Problem wie schon im Iran: meine Drohne. Der Besitz und das benutzen einer Drohne ist in Indien erlaubt und auch legal, die Einreise damit aber nicht, was für mich bedeutete: Ich musste, wieder einmal, meine Drohne ins Land schmuggeln und hoffen das ich nicht auffliege. Ich glaube mittlerweile wirklich, der Trick dabei ist einfach grundlegend auszustrahlen, dass man nichts falsch macht. Auf dem kleinen Zettel den man ausfüllen muss, wo einem allerlei Fragen gestellt werden ob man irgendwas im Gepäck hat, habe ich bei „Drohne“ ein „Nein“ angekreuzt ohne groß darüber nachzudenken. Ich habe mir hier nicht einmal die Mühe gemacht sie großartig zu verstecken, sie war in meiner Tasche oben direkt drauf. Hier greift allerdings der Vorteil, welchen das Motorrad bietet: Man wird nie wirklich großartig kontrolliert. Ich musste bis Indien nicht einmal meine Taschen öffnen, weswegen ich mir zu 99% sicher war, dass niemand nachschauen wird, und so war es auch. Ich hatte es geschafft. Indien lag vor meinen Füßen, ein Land voller Abenteuer und Möglichkeiten.

„Ich musste, wieder einmal, meine Drohne ins Land schmuggeln und hoffen das ich nicht auffliege."

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